Commandante
(Maxingstraße 13b)
(Niemand VII)
Tiergarten Schönbrunn
Mähnenrobbenbecken.
Wasser,
hellblau,
krickentengrün,
ultramarin,
schlammbraun.
Niemand zu sehen.
Spatzen zwitschern.
Kinder,
von überall her.
Große Kinder.
Kleine Kinder.
Mädchen.
Buben.
Kinder, die auf
beiden Beinen gehen.
Kinder, die auf
den Knien krabbeln.
Kinder die am Bauch
über den Staub robben.
Kinder, die Kinder tragen.
Kinder, die Kinder
in Leiterwagerln ziehen.
Ihre Blicke
nach innen.
Eine Seitentüre beim
Mähnenrobbenbecken
öffnet sich.
Ein Mann.
Eine Frau.
Wer rasch hinsieht,
könnte meinen,
Robbengesichter zu erkennen.
Sie schieben eine
aus einfachen Holzbrettern
zusammengenagelte Kiste
auf Gummi-Rädern.
Auf den Deckel ist ein
großes, graues „C“
aufgemalt.
Die Kinder nicken.
Die Kinder beißen die Zähne zusammen.
Backenmuskeln treten hervor.
Die Kinder schlucken.
Die Kinder folgen in
einem langen Zug
der Holzkiste.
Vorbei an
dem leeren Becken,
den Humboldt-Pinguinen,
den Brillenbären,
den Nasenbären,
den Eisbären,
den Pelikanen,
den Berberaffen,
den Mähnenspringern,
dem Panzernashörnern,
den Nilgauantilopen,
den Sikahirschen,
den Hirschziegenantilopen,
den Rentieren,
den Bisons,
den Hauswasserbüffeln,
den Ameisenbären,
den Vikunjas,
den Tapiren,
den Wasserschweinen,
den Nandus,
den Seriemas,
den Schwarzschwanz-Präriehunden,
den Halsbandpekaris,
den Meerschweinchen,
den Kaninchen,
den Tigern,
den Amurleoparden,
den Geparden,
den Löwen,
den Nilpferden,
den Bennettkängurus,
den Koalas,
den Großen Pandas,
den Roten Pandas,
den Giraffen,
den Orang-Utans,
den Kattas,
den Nyalas,
den Weißhandgibbons,
den Kirk-Dikdiks,
den Elefanten,
den Mhorrgazellen,
den Zebras,
den Elenantilopen,
den Erdmännchen,
den Kaiserschnurrbart-Tamarinen,
den Roten Varis,
den Weißgesichtssakis,
den Springtamarinen,
den Zwergseidenaffen,
den Bärenstummelaffen,
den Totenkopfaffen.
Der Zug hält vor dem Kaiserpavillon.
Die Kinder stellen sich in riesigen,
immer größer werdenden Kreisen
um die beiden Erwachsenen.
Die Erwachsenen schaufeln.
Die Erwachsenen
schaufeln und schaufeln.
Zwei Mädchen und zwei Buben
treten, einander gegenüber,
an die Bretterkiste.
Sie fädeln Springschnüre
unter der Holzkiste durch.
Die Kinder bücken sich.
Die Kinder heben die Kiste vorsichtig an.
Die Kinder lassen die Kiste sanft
an den Springschnüren in die Grube.
Die Erwachsenen nicken.
Die Erwachsenen beißen die Zähne zusammen.
Backenmuskeln treten hervor.
Die Erwachsenen schlucken.
Die zwei Mädchen singen.
Die zwei Buben singen.
Et sepultus est.
Die Kinder singen im Chor.
Et sepultus est.
Passus et sepultus est.
Die Sonne brennt
auf den weißen Kies
auf den Wegen im Zoo.
Die Nebel verschwinden.
Hob.XXII/11: Et incarnatus est
(20.03.2021)