Kibali


Wien.

Tiergarten Schönbrunn.

Vor dem Elefantengehege.


Ein Mann in Zoo-Uniform

schraubt das Schild

mit dem Bild eines Elefantenbabys ab.


Mann

Das hat keiner vorhersehen können.

So plötzlich.

Von einem Tag

auf den anderen.


Der Mann schraubt.

Der Mann steckt die Schrauben

in eine seiner Hosentaschen.


Auf einer Bank vor dem Elefantenhaus

sitzt eine Beraterin

und spricht leise

in ihr Mobiltelephon.


Beraterin

Also, ich bitte dich!

Die akute gesamtgesellschaftliche

Herausforderung wird jetzt endlich

zu einem individuellen medizinischen Problem!


Ein Kind zupft den Mann

an der Uniform.


Kind

Du!


Mann

Ja?

Was willst denn du?


Kind

Kannst du mir das

Schild geben?


Der Mann grübelt.

Der Mann seufzt.

Der Mann gibt dem Kind das Schild.


Kind

Danke!


Das Kind tanzt mit dem Schild

um den Mann.


Beraterin

Es ist jetzt wirklich genug.

Wer soll denn das zahlen?

Wir sind eine liberale Demokratie.

Es gibt das Recht, rechtskonform

unvernünftig zu handeln.

Man kann am Tag zehn Schnitzel essen

oder mit 140 Kilo die Felswand hinaufklettern,

ohne dass der Staat unten steht

und das Seil sichert.


Das Kind starrt auf das Schild.


Der Mann in Zoo-Uniform

ist verschwunden.

Die Beraterin sonnt sich.


Das Elefantengehege ist leer.

An der Wand prangt ein Werbeplakat

mit der Aufschrift:

VersICHerung.


Kind

Was heißt das eigentlich: Kibali?



Hob.I/85: 2. Romance: Allegretto

(19.07.2021)